Die Geschichte der Übersetzung

Die Forschung zur Geschichte der Übersetzung hat sich zumeist auf Europa und den Mittelmeerraum konzentriert. Über die Entwicklung in Kulturen außerhalb von Europa ist deshalb wenig bekannt. Die Voraussetzung für Übersetzungen war die Entstehung von Sprache vor rund 100 000 Jahren und die Entstehung von Schrift vor rund 5000 Jahren. Vorher konnten Wissen und Traditionen nur mündlich überliefert werden. Die ältesten Schriftfunde stammen aus Uruk, dem heutigen Warka im Irak und gehen auf die Sumerer zurück. Archäologen haben dort Wirtschaftstexte gefunden.

Eine der berühmtesten Übersetzungen war die Septuaginta, die erste Übersetzung der jüdischen Bibel aus der hebräischen Sprache ins Griechische. Sie entstand von 250 v. Chr. bis 100 n. Chr. zum größten Teil in Alexandria, dem Zentrum hellenistischer Kultur in der Antike.

Stein von Rosetta, Foto: Olaf Herrmann

Der Stein von Rosetta, ein Teil einer Stele, die 1799 im Nildelta entdeckt worden ist, hat dazu beigetragen ägyptische Hieroglyphen zu übersetzen. Auf dem Fragment aus dem Jahr 196 v. Chr. ist ein Priesterdekret in drei Absätzen in Hieroglyphen, auf Demotisch, einer Entwicklungsstufe der ägyptischen Sprache, die im 7. Jahrhundert vor Christus auftauchte, und auf Altgriechisch zu sehen. Der Stein befindet sich heute im British Museum in London.

Im Laufe der Geschichte gab es verschiedene Zentren für Übersetzungen. Dazu gehört zum Beispiel Rom, wo in der Antike vor allem griechische Literatur auf Latein übersetzt worden ist. Im 9. und 10. Jahrhundert war Bagdad ein weiteres wichtiges Zentrum für Übersetzungen. Dort wurden vor allem wissenschaftliche Werke aus dem Griechischen in die Arabische Sprache übersetzt.

Durch Übersetzungen wird Wissen von Kultur zu Kultur übertragen. So bildeten die Übersetzungen aus Bagdad die Basis für ein weiteres Übersetzungszentrum, die Schule von Toledo südlich von Madrid. Dort übersetzten Sprachexperten im 12. und 13. Jahrhundert Texte von Arabisch auf Latein und später auf Spanisch. Sie spielten für die wissenschaftliche Entwicklung in Europa eine entscheidende Rolle.

So haben die Werke des persischen Arztes und Philosophen Avicenna die europäische Medizin des Mittelalters maßgeblich beeinflusst. Eines seiner wichtigsten Werke ist der Kanon der Medizin. Es fasst den Wissensstand vom Beginn des zweiten Jahrtausends zusammen und wurde in Toledo von Gerhard von Cremona ins Lateinische übersetzt. Bis ins 17. Jahrhundert war es das wichtigste Lehrbuch in Medizin. Durch Übersetzungen von Gerhard von Cremona wurde Avicenna außerdem zum Vermittler der Philosophie von Aristoteles ins europäische Mittelalter vor allem für die Scholastik.

Ein weiterer Meilenstein der Übersetzung in der Geschichte war die Lutherbibel. Martin Luther und weitere Theologen übersetzten im 16. Jahrhundert das Alte Testament aus der althebräischen und aramäischen Sprache und das Neue Testament aus dem Altgriechischen in die frühneuhochdeutsche Sprache. Bis 1522 wurde die erste Auflage erstellt. Durch den Buchdruck war das Buch in sehr hohen Auflagen erhältlich. Die Romantik war vor allem eine Zeit literarischer Übersetzungen. Damals wurden Shakespeares Werke ins Deutsche übertragen.

Das 20. und 21. Jahrhundert ist zum Zeitalter der Fachübersetzungen geworden. Durch die Globalisierung ist der Bedarf an Übersetzungen sehr stark gewachsen. Das betrifft vor allem Texte für Unternehmen, Verträge, juristische Texte etc. Aber gleichzeitig wird Literatur immer mehr weltweit vertrieben. Somit ist die Zahl der Übersetzungen von Romanen auch sehr stark gestiegen.

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